Vergleich Leica M6 mit Fuji X100

Kann man diese zwei Kameras miteinander vergleichen? Eine Filmkamera mit einer digitalen Kamera? Die klassische Leica M6 mit der neusten und erfolgreichsten Kamera von Fuji in 2011, der Fuji X100?

In meinem Vergleich treten an meine Fuji X100 mit einem 22 mm f2.0 Objektiv (= 35 mm entsprechend  Kleinbild) mit der Firmware 1.10 und der schnellsten Sandisk SDHC Karte mit 45 MB/sec (womit die X100 merklich schneller wird) gegen meine Leica M6 (noch mit Leitz Logo) von 1984 mit einem Voigtländer Color Skopar 35mm f2.5 Objektiv.

Warum keine Leica M9 oder Leica M8? Recht einfach: Die habe ich nicht und kann die deswegen auch nicht mit der X100 vergleichen!

Gemeinsamkeiten

Beides sind Sucherkameras, beide Kameras sind von den Abmessungen nahezu gleich. Sie wiegen ungefähr das gleiche. Beide sehen sich auch vom Design sehr ähnlich. Sie sind beide aus Metall gefertigt. Beide Kameras haben einen optischen Sucher, der mehr als das später abgelichtete Bild anzeigt und damit beim Fotografieren auch zeigt, ob jemand ins Bild treten wird oder wann man den Auslöser drücken sollte.

Beide Kameras kann man ohne Probleme den ganzen Tag auf einem Stadtbummel mitnehmen  und werden auch nicht wie eine Spiegelreflex zum Ende des Tages immer schwerer. Sie passen auch in eine normale Tasche und benötigen nicht wirklich eine Kameratasche. Befreites Fotografieren also.

Unterschiede zwischen Leica M und Fuji X100

Leica M6

  • Film statt digital
  • Wechselobjektive von Leica, Zeiss und Voigtländer möglich
  • Manuelle Scharfstellung, kein Autofokus
  • Maximal 1/1000 sec Verschlußzeit
  • Manuelles Einstellen von Blende und Verschlußzeit nötig, kein Autoexposure, Programm-Mode etc. möglich
  • ISO abhängig vom eingelegten Film
  • Nur ein Belichtungsmessungsmodus (ca. 2/3 Kreis um die Mitte)
  • Benötigt nur zwei Knopfzellen für den Betrieb (ca. 80 Filme je 36 Aufnahmen), ohne Batterie funktioniert nur der Belichtungsmesser nicht mehr, alles andere funktioniert weiterhin
Fuji X100
  • Zusätzlich zum optischen Sucher noch einen elektronischen Sucher (EVF)
  • Autofokus und Manueller Fokus möglich
  • Bis 1/2000 Verschlußzeit (allerdings nicht bei voller Blendenöffnung f2.0)
  • Eine Brennweite von 35mm (Kleinbild), keine Wechselobjektive
  • Einblenden von zusätzlichen Informationen im optischen und elektronischen Sucher möglich
  • ISO von 100 bis 6400
  • Autoexposure-Programme (P, A, S + M) möglich
  • Eingebauter Graufilter (-3 Blendenstufen) in der Kamera
  • Relativ hoher Akkuverbrauch (ca. 230 Bilder pro Akkuladung)
  • Und alles was digitale Kameras immer haben (Sofortansicht des Bildes, LCD, große Speicherkapazität, automatischer Weißabgleich …)
  • Sehr komplexes Menüsystem

Wie fotografiert es sich mit den beiden Kameras?

Fuji x100

Im Autofokusbetrieb und im Programm-Modus. Bei der Fuji X100 ist der optische Sucher toll. Hell, mit Zusatzinformationen. Histogramm. Entfernungsskala. Blende und Verschlusszeit. Scharfstellen mit dem leichten Druck auf den Auslöser (bei Autofokus) und [Klick]. Dann bekommt man im Sucher das gerade gemachte Bild angezeigt. Der Sucher wechselt in den elektronischen Modus und zeigt das Bild an.

Wow! Das Bild im elektronischen Sucher ist wie in 3D. Absolut unglaublich.

Der elektronische Sucher (EVF) zeigt (wie bei den spiegellosen Kameras von Panasonic oder Olympus) das Bild, wie es auch der Sensor aufnimmt. Man sieht in dem Fall auch die Tiefenschärfe vor dem Auslösen, wenn man scharf stellt. Das Bild ist fast besser, als es später auf dem heimischen Monitor aussieht, weil das Bild im Sucher dreidimensional wirkt. Der Autofokus funktioniert zuverlässiger im EVF, als oft beim optischen Sucher, weswegen ich den optischen Sucher fast nie verwende.

Manueller Fokus mit der Fuji X100: Der manuelle Fokus ist nicht direkt, sondern indirekt. Das bedeutet, beim manuellen Fokus dreht man endlos am Objektiv um etwas scharf zu stellen. Leider nicht gut gelöst. Man kann mit dem AF-Lock-Knopf im manuellen Fokusmode den Autofokus aktivieren und dann die Feinabstimmung vornehmen, aber der Autofokus liegt manchmal daneben. Das ist für mich auch das einzige, was manchmal an der X100 nervt, der mehr oder weniger zuverlässige Autofokus.

Und man benötigt immer noch einen Ersatzakku, weil der Akku nahezu ohne Vorwarnung von halbvoll auf komplett leer wechselt.

Ansonsten wirklich eine tolle Kamera.

Leica M6

Der Sucher der Leica M6 ist heller und größer als der Sucher der Fuji X100. Das erste was auffällt, wenn man mit der Leica M6 ein Bild macht, ist wie komplett unspektakulär man im Vergleich zu einer Digitalkamera ein Foto macht. Verschluss spannen, scharf stellen, Blende oder Zeit anpassen, [Klick].

Das war es. Es passiert weiter nichts. Nicht mal ein Spiegelschlag wie bei einer Spiegelreflex. Nur [Klick]. Nichts weiter.

Unabhängig einmal von den herausragenden Objektiven von Leica und anderen Herstellern, ist das Fotografieren auf das absolute Minimum reduziert. Ich brauche mit der Leica M6 im Durchschnitt länger um ein Bild zu machen (optimale Belichtung einstellen, scharf stellen und Ausschnitt festlegen) als mit der Fuji X100, aber es macht mir mehr Spaß und ich überlege mehr, ob es ein “lohnendes” Bild werden könnte. Auch wenn es von der Logik eigentlich keinen Unterschied machen sollte, fotografiere ich mit meinen analogen Kameras überlegter und mache oftmals ein Bild nicht, weil ich schon dem Auslösen merke, dass es kein vernünftiges Foto werden wird.

Und dann braucht man natürlich Geduld. Die Bilder kann man erst ansehen, wenn der komplette Film belichtet ist und dann muss man den Film entwickeln (lassen), bevor man die Ergebnisse ansehen kann.

 Der zweite Teil mit entsprechenden Fotos folgt nach der Filmentwicklung

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