Nikon EM – die Nikon für Girls?

Die Nikon EM ist 1978 erschienen. Von mir damals völlig unbemerkt, obwohl ich auch schon mit 15 Jahren sehr an der Fotografie und Kameras interessiert war. In Amerika wurde die Nikon EM als Nikon für Mädchen vermarktet, eine analoge Spiegelreflex mit Zeitautomatik. Klein, leicht, schwarz! Und um alles reduziert, was man damals nach Meinung von Nikon als Einsteiger/Amateur nicht braucht.

Wie auch immer, auf einer Dienstreise nach Köln und ohne Kamera im Gepäck kaufte ich mir für 100 Euro eine Nikon EM bei einem Fotohändler direkt am Kölner Dom – wie neu. Mehr als eine Handvoll Filme kann diese Kamera nicht gesehen haben. Und nach mehr als 30 Jahren Winterschlaf Film eingelegt, das Nikon EM 50mm 1,8 Objektiv montiert und los.

Was soll ich sagen? Den Transporthebel ein wenig spannen und schon bekommt der Belichtungsmesser Strom. Eine analoge Nadel links im Sucher zeigt die Belichtungszeit, die Blende stellt man am Objektiv ein. Schnittbild Prisma zum Scharfstellen. Durchsehen, auslösen – klack. (lautes Klack).

Wie immer wenn ich analog fotografiere stelle ich fest, wie entspannt das Fotografieren ist. Kein Autofokus der macht was er will oder gar nicht scharf stellen will. Kein Blick auf die Akkuanzeige die plötzlich einen leeren Akku anzeigt. Keine Menüs. Nur den Transporthebel spannen, Blende einstellen, scharf stellen und Bildausschnitt bestimmen und auslösen – fertig!

Nur durch den Sucher schauen, scharf stellen und auslösen.

Begeistert mich nach mehr als dreißig Jahren immer noch.

Die Nikkor EM-Objektive sind aus Kunststoff und haben eine Metallfassung. Gegen die unzerstörbaren Nikkor Objektive (AI, AIs etc.) von damals kommen diese zwar nicht an, aber im Vergleich zu den heutigen Nikkor G-Objektiven sind die EM-Objektive auch nicht viel schlimmer.

Das beste daran ist, dass man heute für sehr wenig Geld bei eBay oder einem Gebrauchtfotoladen die EM-Serie günstig bekommt. So habe ich mein 1.8 50mm Objektiv noch mit einem 28mm und 100 mm Objektiv ergänzt. Und die EM-Serie (danke Nikon) passt an alle meine Nikon Kameras (Nikon FE2, Nikon F4, Nikon F5 und Nikon D700).

Fazit:

Die Nikon EM ist eine einfache, leichte und kleine Spiegelrefelex. Sie ist nicht größer als eine Olympus E-PL1 und wahrscheinlich genauso schwer. Nur fotografiert man im Vollformat (auf Film) und nicht digital.

Sie macht was eine Kamera soll – der Rest liegt wie immer nur am Fotografen hinter dem Sucher …

 

2 Gedanken zu “Nikon EM – die Nikon für Girls?

  1. Ich finde dies einen sehr interresanten Artikel. Besonders da ich selbst in besitz einer Em bin. Nun möchte ich sie frage, da ich ein Amateur bin, ob sie wissen welchen Film oder Objekt ich benötige um Fotos zu schiessen mit einem charakterlichen Look. Ich meine damit dieses verschwommene, alt aussehende Ergebniss. Den dieses reizt mich sehr. Bitte helfen sie mir ich freue mich auf Ihre Antwort.
    Freundliche Grüsse

    • Hallo,

      der Film spielt keine so wichtige Rolle, es kann ein preiswerter Schwarz-Weiß-Film sein (z.B. Kodak BW400CN), der überall günstig entwickelt werden kann oder ein sehr preiswerter Farbfilm (z.B. Fuji Superia 200) – das wichtigste für den Look von früher ist eher das Objektiv. Die meisten Leute würden den Look von früher mit einem Normalobjektiv mit Offenblende (1.4 Blende, 1.8 Blende oder 2.8 Blende etc.) und geringer Tiefenschärfe in Verbindung bringen – etwas wie dieses Bild hier. Das preiswerteste Objektiv ist so etwas wie das Nikkor EM 1.8 50mm, das man bei ebay für vielleicht 20-30 Euro bekommt. Viel Spaß beim Probieren und Grüße sendet Anthony-James Owen

  2. Hallo Anthony-James Owen,

    Erstmal ein Danke für den schönen Beitrag. Auch ich bin eine Besitzerin von einer Nikon EM und anderen diversen Analog-Kamera´s. Meine Frage an Dich ist: Was benutzt du um deine Bilder zu digitalisieren?
    Ich selbst habe es mit einen Scanner versucht, der eher die Farbe auswäscht und blass wirken lässt.

    Danke im Voraus!

    LG Chris

  3. Tolle Beschreibung der analogen Fotografie, von der ich mittlerweile auch wieder ein großer Fan bin. Ich habe zwar auch eine umfangreiche digitale Pentax-Ausrüstung, aber inzwischen (nachdem ich alles analoge vor 10 Jahren verscherbelt habe) auch wieder etliche analoge Kameras dank des drastischen Preisverfalls. Es macht einfach wieder eine Menge Spaß, und irgendwie freut man sich mehr an gelungenen Fotos als bei der digitalen Fotografie. So geht es zumindestens mir. Und sehr schön ist auch das man die erstklassigen alten Objektive auch oft an einer digitalen SLR verwenden kann, und das mit besten Ergebnissen. Ich habe so das Gefühl das bei vielen Hobbyfotografen auch wieder ein Trend zur Analogfotografie eingesetzt hat, jedenfalls steigen die Preise für analoge Kameras in letzter Zeit wieder an (so z.B. bei Ebay).

    Ich kann nur hoffen und beten das es noch lange Filmmaterial gibt, denn ich möchte auf die analoge Fotografie nun nicht mehr verzichten!

    Viele Grüße und Kompliment für Deine sehr gelungene Webseite.
    Dieter R.

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